Der Urlaubsantrag ist genehmigt, der Flug gebucht und es werden die letzten Vorbereitungen für die Reise getroffen: Die Urlaubstage zählen für so manchen Arbeitnehmer als die schönsten Tage im Jahr.

Umso größer ist die Enttäuschung, wenn der Chef mit der Nachricht kommt, dass der Urlaub des Mitarbeiters kurzfristig gestrichen wird.

Kurz & knapp: Urlaub streichen durch den Arbeitgeber

  1. Der Arbeitgeber darf genehmigten Urlaub nur streichen, wenn dies mit der Zustimmung des Angestellten geschieht oder ein Notfall vorliegt.
  2. Um wegen eines Notfalls Urlaub streichen zu können, muss eine existenzbedrohende Ausnahmesituation im Unternehmen vorliegen.
  3. Wird Urlaub gestrichen, hat der Arbeitgeber sämtliche anfallende Kosten durch die Urlaubsverschiebung zu übernehmen.

Aber darf ein Arbeitgeber überhaupt den Urlaub streichen, nachdem er ihn schon genehmigt hat? Hier erkläre ich Ihnen, was das Arbeitsrecht zum Thema „Urlaub streichen“ sagt und in welchen Fällen die Urlaubsstreichung durch den Arbeitgeber zulässig sein kann.

Wann darf der Arbeitgeber den Urlaub streichen? Das Arbeitsrecht gibt Antwort

„Darf mein Urlaub einfach so gestrichen werden?“ Ihr Arbeitgeber darf bereits genehmigte Urlaubstage nicht grundlos streichen. Hat er Ihnen einmal die Zusage für Ihren angemeldeten Urlaubsanspruch erteilt, ist diese prinzipiell einzuhalten – selbst dann, wenn er im Nachhinein feststellt, dass der Zeitpunkt Ihres Urlaubs für das Unternehmen eher nachteilig ist.

Es gibt allerdings zwei Situationen, in denen die Streichung vom Urlaub durch den Arbeitgeber doch möglich ist:

  1. Der Chef und sein Mitarbeiter einigen sich einvernehmlich, den Urlaub zu streichen bzw. zu verschieben. Es bedarf hier der ausdrücklichen Zustimmung des Arbeitnehmers. Zudem muss begründet werden, warum die Urlaubsbewilligung aufgehoben wird.
  2. Liegt ein gewichtiger Ausnahmegrund vor, der die Anwesenheit des Arbeitnehmers dringend erforderlich macht, darf der Arbeitgeber auch ohne dessen Einverständnis den Urlaub streichen.

Der zweite Punkt bedeutet konkret, dass eine ungewöhnliche Situation eintreten muss, die nicht hätte vorhergesehen werden können und die für die Firma existenzbedrohend ist. Ist dann die Mitarbeit des Arbeitnehmers, der in Urlaub gehen wollte, zwingend erforderlich, um eine Katastrophe abzuwenden, kann der Arbeitgeber den Urlaub streichen.

Ein solcher Ausnahmefall kann z. B. die Folge einer Naturkatastrophe sein oder der unerwartete gleichzeitige Ausfall mehrerer Mitarbeiter, wodurch die Produktion ins Stocken gerät. Aber noch einmal soll hier betont werden, dass erhebliche Schäden für das Unternehmen drohen müssen. Entstehen durch den Ausnahmefall unvorhergesehene, aber beherrschbare Schwierigkeiten, ist dies kein Grund, Ihnen den Urlaub zu streichen.

Mein Arbeitgeber streicht meinen Urlaub: Was nun?

Wenn Sie Ihren Urlaub bereits angetreten haben und Ihr Arbeitgeber Sie aufgrund einer Katastrophe im Betrieb zurückrufen möchte, ist dies rechtlich gesehen unzulässig.

Selbst wenn im Arbeitsvertrag festgehalten ist, dass Ihr Arbeitgeber Sie im Notfall aus dem Urlaub holen kann, ist eine solche Klausel grundsätzlich unwirksam. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht (BAU, Az. 9 AZR 404/99).

Es steht Ihnen aber natürlich frei, trotzdem den Urlaub abzubrechen und Ihrem Arbeitgeber auszuhelfen.

Möchte Ihr Chef aufgrund eines Notfalls den Urlaub streichen, bevor Sie ihn angetreten haben, müssen Sie diese Anweisung befolgen. Denn auch wenn sich die Urlaubsstreichung als rechtswidrig entpuppen sollte, darf der Arbeitnehmer den Urlaub nur mit Genehmigung seines Arbeitgebers antreten. Ignorieren Sie deshalb den Widerruf Ihres Urlaubsantrags und verreisen trotzdem, kann dies eine Abmahnung oder sogar Kündigung rechtfertigen.

Egal, ob Sie vorzeitig aus dem Urlaub zurückkehren oder ihn gar nicht erst antreten: Lässt den Urlaub der Arbeitgeber streichen, muss er Ihnen sämtliche anfallende Kosten erstatten, wie z. B. Stornogebühren oder Rückreisekosten – im Zweifel auch für Ihre mitgereiste Familie. Ebenso können Sie ihm Mehrkosten in Rechnung stellen, die durch die Verschiebung des Urlaubs entstehen, wenn Sie z. B. in der teureren Hauptsaison buchen müssen statt wie geplant in der Nebensaison.